Überblick

Krankhaftes Übergewicht (Adipositas) ist eine schwere chronische Erkrankung und keinesfalls bloss eine Nebendiagnose. Sie erfordert eine Behandlung durch einen Spezialisten.

Häufige Fragen
Wie berechnet man den Body-Mass-Index (BMI) und ab welchem Wert handelt es sich um Übergewicht?

Den BMI berechnet man wie folgt: Körpergrösse in m × Körpergrösse in m = Körpergrösse in m2, Körpergewicht in kg ÷ Körpergrösse in m2 = BMI. Werte zwischen 18,5 – 24,9 sind normal. Ab 25 spricht man von Übergewicht und ab einem Wert von 30 von krankhaftem Übergewicht.

Bleibt nach einer Operation überschüssige Haut zurück?

Ja. Durch den Verlust von Fett verbleibt überschüssige Haut, welche stören kann. Dieser lässt sich durch regelmässige Bewegung bis zu einem gewissen Grad vorbeugen. Auch ist jüngere Haut flexibler und kann sich leichter wieder zurückbilden. Falls nach der Operation überschüssige Haut vorhanden ist und dies den Patienten stört, wird mit der Krankenkasse die Kostenübernahme für eine plastische Operation geprüft. 

Welche realistischen Ziele können nach wissenschaftlichen Studien durch eine Lebensstilveränderung allein, Medikamente oder eine Operation erreicht werden?

Mit einer alleinigen Lebensstilveränderung (konservative Therapie) lässt sich langfristig bei fast allen schwerst übergewichtigen Menschen keine Gewichtsreduktion erreichen. Der Jo-Jo Effekt ist normal. Eine medikamentöse Therapie mit den derzeitigen modernen Mitteln führt zu einer Gewichtsreduktion von 7-9 % vom Ausgangsgewicht. Eine Operation hat den grössten Erfolg mit einer Gewichtsreduktion von 25-35 % des Ausgangsgewichtes. Dies sind wissenschaftlich belegte Durchschnittswerte, einzelne Personen können unterschiedliche Ergebnisse erreichen.

Warum kann in vielen Fällen ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) durch eine Operation «geheilt» werden?

Adipositas und Zuckerkrankheit gehören häufig zusammen. Durch die Veränderungen der Hormone nach einer Operation ist häufig auch die Zuckerkrankheit geheilt oder zumindest wesentlich verbessert. Daher empfiehlt auch die Fachgesellschaft für Hormonstörungen eine Operation bei schlecht eingestelltem Diabetes mellitus und einem BMI von 30.

Warum hat eine Veränderung des Lebensstils alleine keinen Erfolg?

Schweres Übergewicht (Adipositas) ist normalerweise eine genetisch bedingte Veranlagung mit einer hormonellen Fehlsteuerung des Hunger- und Sättigungsgefühls. Somit ist dies also eine Krankheit und keine Willensschwäche. Der Körper hat ein Körpergewicht «einprogrammiert» von dem man sich mit blosser Willensstärke kaum befreien kann.

Ursachen

In den meisten Fällen ist eine genetische Veranlagung die Ursache für Übergewicht. Alleine durch den Lebensstil lassen sich nur einige kg vermehrtes Gewicht erklären. Manchmal ist auch ein Medikament oder eine behandelbare Erkrankung der Grund, warum Übergewicht entsteht. So können diverse Erkrankungen von Organen, Stoffwechselstörungen oder auch psychische Erkrankungen zu einer starken Gewichtszunahme führen.

Krankhaftes Übergewicht beginnt in den meisten Fällen bereits im Kindes- und Jugendalter. Jedes fünfte Schulkind in der Schweiz ist übergewichtig und bereits die Hälfte der Betroffenen weist Risikofaktoren für Folgeerkrankungen auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Übergewicht und seine Begleiterkrankungen im Erwachsenenalter fortbestehen, ist sehr gross.

Symptome
  • Body-Mass-Index (BMI) über 35
  • Zuckerkrankheit Diabetes mellitus Typ 2
  • Eingeschränkte Lebensqualität
  • Krebs
  • Eingeschränkte Leistungsfähigkeit
  • Gelenkschmerzen
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Sodbrennen
  • Schnarchen oder nächtliche Atemaussetzer
  • Unfruchtbarkeit
  • Depressionen oder Ängste
Diagnose

Als erstes laden wir Sie zu einem ausführlichen Gespräch ein, um Ihre persönlichen Wünsche und Ziele zu erfahren. Eine für Sie passende Therapie wird durch Experten aus den verschiedensten Fachrichtungen zusammengestellt.

Wichtig ist, mögliche Ursachen zu erkennen und auch die typischen Begleiterkrankungen zu behandeln. Für uns ist der ganze Mensch wichtig, Körper und Geist gehören zusammen.  Viele unserer Patienten und Patientinnen sind jahrelang falschen Vorurteilen ausgesetzt.

Der erste Schritt zur nachhaltigen Gewichtsreduktion ist daher mit falschen Vorurteilen und mit unrealistischen Therapien dieser Erkrankung aufzuräumen.

Verlauf

Bei einem BMI von mehr als 35 kg/m2 ist die Lebenserwartung der betroffenen Menschen beträchtlich kürzer, denn Übergewicht trägt stark zur Entstehung von vielen Erkrankungen bei, wie Zuckerkrankheit, Bluthochdruck und Gefässverkalkung, Herzinfarkt und Herzrhythmusstörungen, erhöhtes Cholesterin, Lebererkrankungen, Gallensteine, Atemnot, Schlafapnoe, Darm- und Gebärmutterkrebs, Unfruchtbarkeit, Gelenkbeschwerden und Depressionen.

Behandlung

Unser Ziel ist es die Patienten langfristig bis zu einem Erfolg zu begleiten. Nach Klärung möglicher Ursachen stellt sich die Frage, welche Therapien zum Erfolg führen können. Welches die sinnvollste Behandlungsmethode ist, muss im Gespräch mit Fachleuten analysiert werden. Wir arbeiten an Zielen, die auch erreicht werden können.

Lebensstiländerung

Veränderung des Lebensstils (konservative Therapie) führt zu einer wesentlichen Verbesserung der körperlichen Gesundheit und auch der Lebensqualität. Leider sind diese Massnahmen allein in den meisten Fällen nicht ausreichend, um eine langfristige wesentliche Gewichtsreduktion zu erreichen.

Bei einigen Patienten haben diese Massnahmen dauerhaften Erfolg und müssen darum unbedingt ernsthaft ausprobiert werden. Eine auf Übergewicht spezialisierte Ernährungsberaterin kann die Nahrungszusammensetzung, sowie das Essverhalten analysieren. Mit dieser Analyse kann dann eine individuelle Ernährungsverbesserung geplant und in die Tat umgesetzt werden.

Auch die Steigerung der körperlichen Aktivität ist ein wichtiger Bestandteil eines langfristigen Erfolgs. Dies gilt für eine Therapie mit oder auch ohne Operation. Das regelmässige Training muss individuell angepasst und gefördert werden.

Das Essen und die Bewegung können in verschiedenen Lebens- und Gefühlssituationen eine wichtige Rolle spielen. Durch psychologische Unterstützung kann der erste Schritt zur Verhaltensänderung gemacht und durch regelmässige Motivation unterstützt werden. Eine Anpassung des Lebensstils ist die Basis für eine wesentliche Gewichtsreduktion in Kombination mit einer Operation.

Medikamente

Verschiedene Medikamente können eine Gewichtsabnahme unterstützen. Es kommen immer wieder neue Medikamente auf den Markt, die auf unterschiedliche Weise wirken. Unsere Fachleute prüfen, ob ein bestimmtes Medikament das Abnehmen unterstützen kann.

Operation

Bei einem BMI grösser als 35 ist eine konservative Therapie meist über längere Zeit erfolglos. Eine Operation, welche das Gefühl für Hunger und Sättigung verändert, ist die effektivste Methode, auf Dauer wesentlich Gewicht zu verlieren und auch die begleitenden Erkrankungen zu verbessern oder zu heilen. Falls ein Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit) vorliegt wird die Operation bereits ab einem BMI von 30 durchgeführt, da der Diabetes mellitus durch eine Operation wesentlich verbessert oder gar geheilt werden kann.

Die Operationsmethode bestimmen Sie gemeinsam mit dem Chirurgen individuell und abhängig von verschiedenen Faktoren. Zur Vorbereitung gehören zudem verschiedene Untersuchungen, welche Ihnen die maximale Sicherheit bei einem Eingriff gewährleisten sollen.

Das Ziel einer Operation zur Behandlung des Übergewichts ist es, die Kalorienmenge zu reduzieren. Dies wird erreicht, indem der hormonelle Regelmechanismus verändert wird, welcher das Hunger- und Sättigungsgefühl steuert. Dies ist auch der Grund, weshalb die Zuckerkrankheit sich wesentlich verbessern kann. Der kleine Magen hilft dabei, dass man schneller ein Völlegefühl hat (Restriktion).

Weiter kann auch ein Teil des Dünndarms umgangen werden, sodass der Nahrung weniger lange Kalorien entzogen werden und damit auch die Kalorienmenge im Körper vermindert wird. Durch eine Operation wird in fast allen Fällen eine deutliche Gewichtsreduktion erreicht und die Begleiterkrankungen werden deutlich gebessert. Der Einfluss auf die Zuckerkrankheit ist besonders beeindruckend. Die Gewichtsabnahme führt letztlich zu einer gesteigerten Lebensqualität und Lebenserwartung.

Am LUKS werden in der Regel alle Operationen laparoskopisch (Schlüsselloch-Methode) durchgeführt. Das heisst, ein grosser Bauchschnitt ist nicht notwendig. Die Operationsgeräte können über kleine Schnitte eingeführt werden. Alle Operationen werden in Vollnarkose durchgeführt, sodass Sie keine Schmerzen verspüren. Es existieren verschiedene Operationsverfahren:

Roux-Y-Magen-Bypass

Der Roux-Y-Magen-Bypass gilt allgemein als Standardeingriff bei krankhaftem Übergewicht. Langzeitstudien über mehr als 30 Jahre beweisen den Langzeiterfolg dieser Operationsmethode. Bei diesem Eingriff wird der Magen durch eine Klammernaht am obersten Teil durchtrennt und eine kleine Magentasche gebildet. Anschliessend wird auch der Dünndarm an einer definierten Stelle durchtrennt und mit der Magentasche verbunden. So gelangt die Nahrung von der Magentasche direkt in den Dünndarm und es können weniger Nährstoffe vom Körper aufgenommen werden. Zudem sorgt der kleinere Magen für ein schnelles Sättigungsgefühl.

Magenschlauch

Der Magenschlauch (Gastric Sleeve) als alleinige Operation zur Behandlung der Adipositas hat sich erst in den letzten Jahren etabliert. Dabei wird eine Magensonde eingeführt. Entlang der Sonde wird der Magen durchtrennt und zu einem schmalen Schlauch zusammengenäht. Der restliche Magen wird entfernt. Der Gewichtsverlauf und die Verbesserung der Begleiterkrankungen zeigen sich ähnlich wie beim Magen-Bypass. Falls eine zweite Operation nötig wird, kann der Magenschlauch zu einem Duodenal Switch oder einem Magen-Bypass umgewandelt werden. Auch bei dieser Methode entsteht durch den engen Schlauch schnell ein Sättigungsgefühl. Im Gegensatz zum Magen-Bypass ist der Effekt, dass weniger Nährstoffe aufgenommen werden, bei der Magenschlauch-Operation nicht vorhanden.

Omega-Loop Bypass

Der Omega-Loop Bypass ist eine Mischung der Magen-Bypass- und der Schlauchmagen-Operation. In einem ersten Schritt wird der Magen ebenfalls zu einem länglichen Schlauch geformt. In einem zweiten Schritt wird dann etwa zwei Meter Dünndarm ausgemessen und dort eine Verbindung zwischen Magen und Dünndarm gebildet. Wie beim Roux-Y-Magenbypass lässt die Nahrung auf ihrem Weg den Hauptteil des Magens aus. Entgegengesetzt zum Schlauchmagen verbleibt der Restmagen jedoch und somit ist es grundsätzlich möglich, die Operation rückgängig zu machen. Nebst einem früheren Sättigungsgefühl hat diese Operation auch einen grossen Einfluss auf Hormone, welche für die Sättigung und die Verarbeitung von Nährstoffen zuständig sind. Die Menge der aufgenommenen Nährstoffe aus der Nahrung reduziert sich mässig.

Bilio-pankreatische Umgehung

Die Bilio-pankreatische Umgehung mit Duodenal Switch ist ebenfalls in zwei Schritte unterteilt. Beim ersten Teil der Operation wird ein Magenschlauch gebildet. Im zweiten Schritt wird der Zwölffingerdarm direkt nach dem Magenausgang durchtrennt. Die Dünndarmschlingen werden so gelegt, dass sich Verdauungssäfte aus dem Zwölffingerdarm wie Galle und Bauchspeicheldrüsensekret erst kurz vor dem Übertritt in den Dickdarm mit dem Speisebrei vermischen. Die Ergebnisse bezüglich Gewichtsverlust und der Behandlung von Begleiterkrankungen sind durch diese Operation am stärksten. Nebst dem Magenschlauch, welcher zu einer schnellen Sättigung führt, werden auch die Hormone beeinflusst und insbesondere die Nährstoffaufnahme wird stark eingeschränkt. Allerdings ist dieser Eingriff technisch am schwierigsten und es kann zu ausgeprägten Mangelerscheinungen nach der Operation kommen. Die Bilio-pankreatische Umgehung wird nur als weiterführende Operation nach dem Schlauchmagen geplant oder bei äusserst übergewichtigen Personen vorgeschlagen.

Nachkontrolle

Eine regelmässige und gut organisierte Nachkontrolle ist nach einer Operation unbedingt notwendig. Die Veränderungen im Verdauungssystem können zu Mangelerscheinungen führen. Daher muss man nach der Operation lebenslang Vitamine und Mineralstoffe einnehmen, dementsprechend sind regelmässige Blutkontrollen durchzuführen. Wir begleiten unsere Patienten über mindestens fünf Jahre nach der Operation. Durch unsere Erfahrung kennen wir die typischen Probleme, die auftreten können, und wissen, wie diese behandelt werden müssen.

Auch im weiteren Verlauf bleibt die Ernährungsberaterin eine wichtige Partnerin, die bei der Umstellung des Essverhaltens unterstützt.

Der Gewichtsverlust und die Veränderung des Essverhaltens können starke Auswirkungen auf den Patienten und dessen Umfeld haben. Nach Bedarf unterstützen unsere psychologisch geschulten Fachleute in Einzel- oder Gruppengesprächen.

Vorsorge
  • Ausgewogene Ernährung
  • Genügend Bewegung
  • Stress vermeiden
  • Medienkonsum reduzieren
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