Rasche Abklärung und Therapie von Schlaganfällen

Das zertifizierte Stroke Center des Luzerner Kantonsspitals (LUKS) hat einen Leistungsauftrag für die komplexe Behandlung von Hirnschlägen. Als ausgewähltes Zentrum für hoch spezialisierte Medizin (HSM) gewährleistet es den rund 700 000 Einwohnern der Region eine rasche und qualitativ hochstehende Abklärung und Therapie.

13. März 2019

Lesezeit: 4 Minuten
PD Dr. phil. Tim Vanbellingen, Leiter motorische Therapien, mit Patient

Schnellstmöglicher Behandlungsbeginn senkt Risiko

Je schneller ein Patient bei einem Schlaganfall eine fachgerechte medizinische Diagnose und Therapie erhält, desto höher sind die Erholungschancen. Pro 30 Minuten Verzögerung bis zum Behandlungsbeginn steigt das Risiko für bleibende Invalidität und Pflegebedürftigkeit um 10 Prozent. Dementsprechend vergrössert sich die Aussicht auf eine vollständige Genesung, wenn der Patient rechtzeitig im Stroke Center des LUKS eintrifft. In diesem auf Schlaganfälle spezialisierten Zentrum arbeitet ein eingespieltes Team von Fachleuten verschiedener Berufe und Disziplinen eng zusammen. Die hier gebündelte Kompetenz und die frühzeitige Einleitung einer längerfristig angelegten Neurorehabilitation erhöhen die Chancen auf ein verbessertes Outcome unserer Patienten. Das Stroke Center des LUKS ist von der Swiss Federation of Clinical Neuro-Societies (SFCNS) zertifiziert und hat seit Februar 2018 zudem einen HSM-Leistungsauftrag für den Bereich « Komplexe Behandlung von Hirnschlägen ».

Behandlungseffizienz durch standardisierte Abläufe

Das wichtigste Prinzip der Behandlung bei Schlaganfall ist: Time is Brain. Die möglichst kurze Zeitdauer zwischen Symptom- und Behandlungsbeginn ist entscheidend für eine erfolgreiche Therapie und die Vermeidung bleibender Schäden. Standardisierte Abläufe und ein exaktes Zusammenspiel der Fachkräfte der Neurologie und der Neuroradiologie sind deshalb eine wichtige Voraussetzung für die Behandlungseffizienz. Die wichtigsten Akutbehandlungen sind die intravenöse Thrombolyse und die kathetergestützte Thrombektomie. Das den Schlaganfall verursachende Gerinnsel in einem betroffenen hirnzuführenden Gefäss wird bei der intravenösen Thrombolyse medikamentös aufgelöst, bei der Thrombektomie mechanisch entfernt. Die Qualität der Akutbehandlung wird mit der sogenannten Door-to-Needle-Time und Door-to- Groin-Time gemessen, also der Zeit, die verstreicht, bis eine Infusion läuft bzw. ein Katheter in der Leiste gesetzt werden kann. Um die genannten Zeiten möglichst kurz zu halten, haben wir am LUKS Schnittstellen geklärt und im Stroke Center die Übereinstimmung und Einheit von Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung erfolgreich etabliert.

Diagnosestellung, Therapie, Frührehabilitation

Der Behandlungsprozess stellt sich wie folgt dar:

  • Der Patient tritt über den Notfall ins LUKS ein. Dort stellt ein interdisziplinäres Team, bestehend aus Neurologe und Neuroradiologe, die Diagnose und führt die ersten Behandlungsmassnahmen durch.
  • Die Indikation zur Aufnahme in die Stroke Unit (monitorisierter und nicht monitorisierter Bereich) erfolgt durch unseren Neurologen, was rund um die Uhr an sieben Wochentagen möglich ist.
  • Für diagnostische Abklärungen und therapeutische Interventionen, die nicht im direkten Zusammenhang mit der neurologischen Erkrankung stehen, werden zusätzliche Fachkollegen beigezogen.
  • Frührehabilitation: Von Anfang an sind Ergo-, Physio- und Sprachtherapeuten involviert, die umgehend mit der Behandlung beginnen.

Medizin im Team

Das Stroke Center ist mit seinem hoch motivierten Team rund um die Uhr einsatzbereit und mit modernsten Untersuchungstechniken ausgerüstet. Beteiligt am Behandlungsprozess im Stroke Center sind das interdisziplinäre Notfallzentrum, die Neuroradiologie (NR) und die Stroke Unit. Wichtig ist zudem die Zusammenarbeit mit Fachkräften aus Kardiologie, Gefässchirurgie und Neurochirurgie. Für Patienten mit Kreislaufinstabilität oder raumfordernden Schlaganfällen kann eine Verlegung in das Zentrum für Intensivmedizin (ZIM) notwendig werden. Bereits auf der Stroke Unit beginnt die für das Outcome entscheidende Neurorehabilitation durch die Pflege- und Therapieteams.

Zentrale Rolle der Hausärzte

Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall werden notfallmässig, meist über den Rettungsdienst, ans LUKS oder ins nächstgelegene Spital eingewiesen. In Kooperationsvereinbarungen mit den zuweisenden Spitälern der Zentralschweiz ist die Zusammenarbeit so geregelt, dass rasche Verlegungen ins Stroke Center möglich sind. Die intravenöse Thrombolyse- Behandlung kann in Absprache bereits am peripheren Standort begonnen und auf dem Transport fortgeführt werden. Während der Akut-Diagnostik und Behandlung im Stroke Center werden die Patienten in der Regel mehrere Tage auf der monitorisierten Stroke Unit überwacht, abgeklärt und behandelt. Danach werden die Patienten, wenn möglich direkt, in die stationäre Neurorehabilitation übernommen oder für die wohnortsnahe Weiterbetreuung an die Zuweiser zurückgeschickt. In der Nachsorge, vor allem bei der Einstellung der Gefäss-Risikofaktoren, spielen die Hausärzte eine zentrale Rolle.

Neurorehabilitation: Akutbehandlung bis Wiedereingliederung

Einzigartig ist die nahtlose Integration der Neurorehabilitation im Neurozentrum, die eine neurorehabilitative Therapie vom ersten Tag des Spitaleintritts gewährleistet. Die Neurorehabilitation erfolgt von A bis Z inhouse, das heisst, die Patienten müssen nach der Akutbehandlung nicht in andere Kliniken verlegt werden. Dies hat den Vorteil der Kontinuität in den Behandlungsteams. Das Ziel ist die soziale und bei jüngeren Patienten auch die berufliche Wiedereingliederung, die es erlaubt, so gut wie möglich am bisherigen Leben wieder teilzuhaben. Den Patienten steht unser qualifiziertes Personal während des ganzen Weges engagiert zur Seite. //

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Autor: Prof. Dr. med. Stephan Bohlhalter Klinikleiter am Neurozentrum LUKS Luzern