Dem Neglect nach Hirnläsion auf der Spur

Die häufigste kognitive Behinderung nach einem Hirnschlag oder einer Hirnverletzung ist die Halbseitenvernachlässigung (Neglect). Dabei nehmen Betroffene den Raum, welcher der geschädigten Hirnregion gegenüber liegt, nicht mehr korrekt wahr. Eine Forschungsgruppe am LUKS hat nun in einem seltenen Patientenfall wichtige neue Erkenntnisse zum kausalen Zusammenhang von Hirnläsionen und Neglect gefunden.

9. November 2021

Lesezeit: 1 Minute
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Dies beschreibt eine aktuelle Publikation in der Fachzeitschrift JAMA Neurology. Der sogenannte Colliculus Superior (SC), eine im Mittelhirn liegende Kerngruppe, wurde in theoretischen Modellen als mögliche Kontrollstruktur der visuellen Aufmerksamkeit diskutiert. Im JAMA-Beitrag beschreiben Thomas Nyffeler, Chefarzt der Neurorehabilitation am Neurozentrum des LUKS sowie Mitglied des ARTORG-Zentrums der Universität Bern, und Kollegen nun erstmals den Fall einer ansonsten gesunden Patientin, bei der eine kleine, isolierte Läsion im SC einen kontralateralen visuellen Neglect verursachte.

Die Patientin wurde erst drei und dann neun Monate nach der Diagnose und Behandlung einer Reihe von visuellen Explorationstests unterzogen. Die Ergebnisse belegen einen klaren Zusammenhang zwischen der Läsion im rechten SC und dem linksseitigen Neglect, der sich in einer nach rechts verschobenen visuellen Exploration manifestierte.

Der Patientenfall ist erstmals ein direkter Beweis für die wichtige Rolle des SC bei der Kontrolle der visuellen Aufmerksamkeit beim Menschen. Diese Erkenntnis kann zu einem besseren Verständnis für die Entstehung von Neglect und damit zur Entwicklung künftiger neuer Behandlungsmöglichkeiten beitragen.

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