Hilft nur Cortison gegen Schmerzen bei Polymyalgie?

Bei mir (w, 62) ist die «Muskelschmerzen»-Krankheit Polymyalgie diagnostiziert worden. Die starken Schmerzen gingen durch Cortison schnell weg. Aber wie lange muss ich das nun nehmen? Gibt es Alternativen? Cortison kann die Symptome beseitigen, eine gute Alternative gibt es nicht. Die gute Nachricht aber ist, dass die Krankheit nach gewisser Zeit wieder verschwindet.

23. Februar 2021

Lesezeit: 2 Minuten
Melzer Ralph WebseitePortraitBreit

Dr. med. Ralph Melzer Co-Chefarzt Rheumatologie

«Polymyalgie» bedeutet aus dem Griechischen übersetzt «viele Muskelschmerzen». Der Begriff ist also recht unscharf und umfasst neben der eigentlichen beziehungsweise echten Polymyalgia rheumatica zahlreiche weitere Krankheiten, die zwar vergleichbare Beschwerden machen, aber nur mittels erweiterter Untersuchungen diagnostiziert werden können.

Ich nehme an, dass Ihr Arzt dies berücksichtigt hat, und bei Ihnen effektiv von einer klassischen echten Polymyalgia rheumatica auszugehen ist. Zu deren typischen Symptomen zählen eine massive Müdigkeit bzw. Erschöpfung, sowie vorab nachts und/oder frühmorgens betonte quälende Schmerzen und eine starke, beidseitige Steifigkeit im Schulter- und oft im Beckengürtel. Häufig ist es morgens für ein, zwei Stunden kaum mehr möglich, die Arme über den Kopf zu heben oder sich zu kämmen. Wenn dazu rasch nach Beginn einer höchstens mit 20 Milligramm pro Tag dosierten Therapie mit Cortison eine massive Besserung erreicht wird, passt das sehr gut zur Polymyalgia rheumatica.

Sie ist in Ihrem Alter eine der häufigeren entzündlichen rheumatologischen Erkrankungen. Betroffen sind zirka 1 bis 1,5 Prozent der über 55-Jährigen. Die genaue Entstehung ist immer noch nicht geklärt, man geht aber davon aus, dass es sich um eine Störung der körpereigenen Abwehr des Immunsystems handelt. Hauptsächlicher Risikofaktor ist ein Alter von über 50 bis 60 Jahren. Die Krankheit dauert in der Regel rund ein bis zwei Jahre, bevor sie aus wiederum unklarem Grund praktisch immer wieder verschwindet, wie sie gekommen ist. Die Lebenserwartung ist durch die Krankheit nicht eingeschränkt.

Knochendichtemessung empfohlen

Mit Cortison gelingt es bei der echten Polymyalgia rheumatica glücklicherweise immer, die Symptome zu beseitigen. Nach einer anfangs etwas höheren Dosis, die aber 20 mg pro Tag nicht überschreiten sollte, kann man im langfristigen Verlauf das Cortison langsam und kleinschrittig reduzieren, bis die Erkrankung zu Ende ist. Bei Therapiebeginn empfiehlt es sich, eine Knochendichtemessung durchzuführen, um eine bereits verminderte Knochendichte zu erkennen und einen cortisonbedingten Knochenverlust mittels Anti-Osteoporose-Therapie zu verhindern. Auch soll auf eine genügende Calcium- und Vitamin-D -Einnahme geachtet werden. Daneben müssen Auswirkungen der Cortisonbehandlung auf allfällige Begleiterkrankungen im Auge behalten werden. Insgesamt werden relativ tief dosierten Cortisontherapien aber sehr gut toleriert und von den Betroffenen auch sehr geschätzt.

Eine gute Alternative zu Cortison gibt es nicht. Allerdings lassen sich - falls Cortison nicht wie gewünscht ausgeschlichen werden kann - zusätzliche immunsystemunterdrückende Medikamente einsetzen, wie sie sonst in der Arthritisbehandlung gebraucht werden. Davor empfehlen wir unbedingt eine rheumatologische Beurteilung. Die Polymyalgie ist übrigens nicht zu verwechseln mit der Fibromyalgie, die in einer Störung der Schmerzwahrnehmung besteht und nicht zu den entzündlich-rheumatologischen Krankheiten gehört.

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