«Wenn Essen und Trinken nicht mehr selbstverständlich sind»

Probleme mit dem Schlucken vermindern die Lebensqualität. Die Logopädie der HNO ist spezialisiert auf Stimm-, Sprech- und Schluckstörungen. Und setzt auf modernste Diagnostik.

5. Juni 2022

Lesezeit: 4 Minuten
Jana Jungblut zeigt einem Patienten ein Bild seiner Stimmbänder.

Jana Ciritsis zeigt einem Patienten ein Bild dessen Stimmbänder.

Schluckstörungen kommen bei Tumoren im Kopf-Hals-Bereich nicht selten vor. Im April 2020 gaben daher das Kopf-Hals-Tumorzentrum und die HNO-Klinik am LUKS den Startschuss für den Aufbau der Abteilung Logopädie mit der Spezialisierung auf Stimm-, Sprech- und Schluckstörungen. Damit wird das Angebot der Logopädie des Neurozentrums, mit der Spezialisierung auf Sprachstörungen, ergänzt.  

Die Nachfrage ist gross 

Das neue Angebot der Logopädie HNO wird mittlerweile im ganzen Haus stationär und auch ambulant geschätzt, denn auch neurologische Erkrankungen, eine Langzeitbeatmung, ein längerer Aufenthalt auf der Intensivstation oder ein hohes Alter können Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen (Dysphagien) verursachen.  

Nicht erkannte Dysphagien können zu Dehydration, Mangelernährung oder sogar einer Lungenentzündung führen. Patienteninnen und Patienten mit einer Schluckstörung, neben der Grunderkrankung, bleiben tendenziell länger im Spital. Die Lebensqualität der Betroffenen kann stark eingeschränkt sein und die Mortalität steigt.  

Frühzeitiges Involvieren der Logopädie steigert den Erfolg 

Leiterin Jana Ciritsis sagt: «Ist eine Operation oder eine Bestrahlung aufgrund eines Tumors im Kopf-Hals-Bereich geplant, führen wir bereits vor der Tumortherapie eine Schluckuntersuchung durch.» Häufig sei dann schon eine Anpassung der Kost und eine Schlucktherapie notwendig, damit Komplikationen während und nach der Tumortherapie vermieden werden können. «Auch ein prophylaktisches Schlucktraining hat einen positiven Einfluss auf das Langzeit-Outcome.» 

 Jana Jungblut führt eine flexible endoskopische Evaluation des Schluckens (FEES) durch.

Jana Ciritsis führt eine flexible endoskopische Evaluation des Schluckens (FEES) durch.

Im Zentrum für Intensivmedizin am LUKS wird die Logopädie so früh wie möglich zur Beurteilung der Kommunikation und des Schluckens hinzugezogen. Ciritsis erklärt: «Der Tubus zur Beatmung kann die am Schlucken beteiligten Strukturen verletzen. Während der künstlichen Beatmung ist ausserdem das physiologische Schlucken nicht mehr möglich.»  

Nach Langzeitintubation sei die Muskulatur im Kopf-Hals-Bereich entsprechend abgebaut und damit die Sprech-, Stimm- und Schluckfunktion beeinträchtigt. «Eine frühzeitige logopädische Therapie kann die Funktion und entsprechend die Lebensqualität schon auf der Intensivstation verbessern und Langzeitfolgen verringern.» 

Modernste Diagnostik 

In der Logopädie finden vertiefte Abklärungen der Dysphagie statt. Nach einer Dysphagie-spezifischen Anamnese und einer klinischen Schluckuntersuchung, werden bildgebende Verfahren zur Visualisierung biomechanischer Abläufe eingesetzt. «Die Wahl des Verfahrens sollte nicht nach der Verfügbarkeit, sondern gemäss der Fragestellung unserer Patienteninnen und Patienten und der in der klinischen Schluckuntersuchung aufgefallenen Symptome erfolgen», erklärt Ciritsis. 

Die flexible endoskopische Evaluation des Schluckens (FEES) und die Videofluoroskopie des Schluckens (VFSS) gelten mittlerweile beide als Goldstandard. Bei der FEES wird ein flexibles Endoskop über die Nase eingeführt und in den Rachen vorgeschoben. «Es klingt schlimmer, als es ist. Ein Corona-Test ist unangenehmer», sagt Ciritsis zur Methode.  

Jana Ciritsis fürht eine Videofluoroskopie des Schluckens (VFSS) durch.

Jana Ciritsis fürht eine Videofluoroskopie des Schluckens (VFSS) durch.

In Zusammenarbeit mit der Radiologie führt die Logopädie die VFSS durch. «Diese vielseitigen Diagnostikmethoden helfen uns, den Schluckablauf genauer zu analysieren, Ursachen für die Schluckbeschwerden aufzudecken und eine umfassende Beratung anzubieten», erklärt Ciritsis. 

Sie führt fort: «In der Regel folgen konservative Therapien. Aufgrund der Komplexität von Dysphagien und verschiedener Ursachen, ist eine Zusammenarbeit zwischen der Logopädie und verschiedenen Fachärztinnen und Fachärzte unumgänglich. Unser multiprofessionelles Dysphagieboard bietet die Möglichkeit, komplexe Fälle mit Fachpersonen aus der Neurologie, der Gastroenterologie und der HNO zu besprechen.»

Eine klangvolle und belastbare Stimme ist für viele Berufsgruppen essenziell 

Vertiefte akustische Abklärungen zur Stimme sind ein wichtiger Bestandteil zur Diagnose der Dysphonie (Stimmstörung). Anja von Muralt ist ebenfalls klinische Logopädin und führt in der unter anderem Stimmfeldmessungen durch. Eine klangvolle und belastbare Stimme zu haben, sei insbesondere in gewissen Berufsfelder entscheidend. Von Muralt nennt etwa Berufssprechende oder Sängerinnen und Sänger.  

Anja von Muralt führt akustische Abklärungen durch.

Anja von Muralt führt akustische Abklärungen durch.

«In der spezialisierten, multiprofessionellen Stimmsprechstunde evaluiert die Logopädie gemeinsam mit der Phoniatrie, welche Behandlungsmöglichkeiten geeignet sind», sagt von Muralt. Oft könne durch das Erlernen einer gesunden Stimmtechnik die Stimmqualität verbessert werden, gelegentlich sind chirurgische Massnahmen notwendig. Im Falle eines chirurgischen Eingriffes am Kehlkopf, ist oftmals prä- und postoperativ eine logopädische Stimmtherapie sinnvoll.  

Eine Kurzversion dieses Textes erschien im luksmagazin, der Zeitschrift für die Zuweiserinnen und Zuweiser der LUKS Gruppe. 

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