Wie das Gastroenterologie-Team über drei Standorte zusammenarbeitet

Dr. med. Patrick Aepli, Chefarzt Gastroenterologie/Hepatologie am LUKS Luzern hat die Teams der Spitäler in Sursee und Wolhusen in die gemeinsame Betreuung der Patientinnen und Patienten integriert. Die standortübergreifende Vernetzung unterstützt auch die Kompetenz der Mitarbeitenden und erhöht die Qualität von Behandlungen.

7. Juni 2022

Lesezeit: 5 Minuten
Interprofessioneller Austausch am LUKS Wolhusen.

Interprofessioneller Austausch am LUKS Wolhusen.

Patrick Aepli, Sie waren mehrere Wochen in den Spitälern Sursee und Wolhusen als Gastroenterologe im Alltagsgeschäft tätig. Wieso investiert ein Chefarzt aus dem Zentrumspital so viel Zeit, um in regionalen Spitälern zu arbeiten?

Im Mai 2021 habe ich etwa 60 Prozent meiner Arbeitszeit im Spital Sursee und von Februar bis April 2022 20 bis 30 Prozent im Spital Wolhusen geleistet. Ich wollte mir primär selber ein Bild vor Ort machen und vor allem auch die Mitarbeitenden kennenlernen (und zwar nicht ausschliesslich Medizin-, sondern auch Pflege- und Administrationspersonal) bevor ich – wo nötig und sinnvoll – die jeweiligen Prozesse neu organisierte. Darüber hinaus entwickelt man durch die Arbeit vor Ort auch ein Gespür für die Bedürfnisse, Erwartungen und Sorgen der Regionalspitäler.

Was ist das übergeordnete Ziel dieser Vernetzung?

Wir wollten einerseits die gastroenterologischen Teams an beiden Standorten besser mit dem Zentrumsspital verbinden, andererseits aber auch die Abläufe «harmonisieren», was in Hinblick auf den Einsatz der Mitarbeitenden an mehreren Standorten unerlässlich ist. Zudem sollen die regionalen Spitäler weitgehend die Grundversorgung übernehmen, während die hochspezialisierten Eingriffe mehrheitlich am Zentrumspital durchgeführt werden.

Können Sie das ausführen?

Insbesondere aufwändige Untersuchungen mit kostspieliger Ausrüstung (z.B. Manometrie oder Endosonographie) können – auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen – nicht mehr überall angeboten werden, im Gegensatz zu Spezialsprechstunden (z.B. Hepatologie), welche bei Bedarf durch Expertinnen und Experten aus dem Zentrum auch in den Regionalspitäler erfolgen könnten. Durch die Konzentration der High-End-Medizin steigt die Qualität der Behandlungen, weil die Fallzahlen dadurch zunehmen. Davon profitieren auch unsere Patientinnen und Patienten.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass das Zentrum den kleineren Spitälern die interessanten Fälle wegnimmt?

Das stimmt so nicht, denn durch die Reorganisation haben wir den Austausch von Ärztinnen und Ärzten über die Standorte hinweg ermöglicht. So stehen nicht ausschliesslich Ärztinnen und Ärzte aus unseren Reihen regelmässig in den Regionalspitälern im Einsatz (u.a. auch um die Kontinuität während Abwesenheiten sicherzustellen), sondern auch deren Gastroenterologinnen und Gastroenterologen bei uns am Zentrum in Luzern, wo sie – sofern die nötige Expertise vorhanden ist – auch weiterhin hochspezialisierte Eingriffe durchführen können und sich auch am 24-Stunden Notfall- & Pikettdienst beteiligen.

Am Ende ist diese Entwicklung eine «win-win-win» Situation: fürs Regionalspital, fürs Zentrum sowie auch für unsere Patientinnen und Patienten. Wir müssen endlich vom, aus meiner Sicht, veralteten «Gärtli-Denken» wegkommen und innerhalb der LUKS-Gruppe mit- und füreinander arbeiten – und dies unbedingt Standort-übergreifend. Alles andere ist nicht im Sinne unserer Patientinnen und Patienten.

Für einen Chefarzt denken Sie wenig hierarchisch.

Das ist korrekt. Aus meiner Sicht ist ein autoritärer Führungsstil mit hierarchischem Gehorsam nicht mehr zeitgemäss. Die jüngere Generation von Ärztinnen und Ärzten (aber auch anderer Berufsgruppen) begrüsst einen modernen, partizipativ-kooperativen Führungsstil. Stellensuchende entscheiden sich heutzutage für Arbeitsplätze mit fähigen Vorgesetzten, einem tollen Team Spirit und einer interessanten Perspektive. Entsprechend ist es mir auch ein grosses Anliegen die Gastroenterologie-Teams in Sursee und Wolhusen in dieser Hinsicht wohlwollend und supportiv zu begleiten.

Wie vermitteln Sie Ihre Philosophie?

Dies geht am einfachsten, wenn man die Philosophie vorlebt – unter anderem auch deshalb war ich jeweils mehrere Wochen vor Ort in Sursee und Wolhusen tätig. Das Wichtigste ist für mich, dass wir – an allen Standorten – die bestmögliche, medizinische Qualität anbieten, begleitet von einem herzlichen und sozial kompetenten Auftreten der Mitarbeitenden. Gleichzeitig sollen die Zuweisenden Ihre Patientinnen und Patienten möglichst einfach und direkt wohnortsnah anmelden können. Sollte die gewünschte Diagnostik oder Therapie am Regionalspital nicht möglich sein, erfolgt die Überweisung ans Zentrum Team intern, zeitnah und völlig unkompliziert.

Wie setzen Sie die Luzerner Fachärzte in den Regionalspitälern ein? Reserviert man für sie die komplexeren Fälle?

Die Gastroenterologen aus dem Zentrum erledigen in Sursee und Wolhusen das reguläre Alltagsgeschäft – «Rosinenpicken» soll es auch für uns nicht geben. Mir ist zudem wichtig, dass die Ärztinnen und Ärzte aus dem Zentrum die Teams an den Regionalspitäler kennenlernen – und natürlich auch deren Patientinnen und Patienten. Es ist nicht so, dass diese am Zentrum behandelt werden möchten, ganz im Gegenteil schätzen sie die wohnortsnahe Versorgung immens. Dies rechtfertigt auch langfristig die wohnortsnahe, gastroenterologische Grundversorgung. Wir vom Zentrum suchen auch den Kontakt zu den Zuweisenden der Regionalspitäler, u.a. durch die Organisation von Fortbildungen.

Was meinen Sie, ist die Reorganisation in Sursee und Wolhusen gelungen?

Ja, definitiv. In Sursee haben wir durch die Reorganisation auf einen gänzlich digitalen Workflow umgestellt sowie gewisse Prozesse optimiert. Den daraus folgenden Benefit haben alle Beteiligten sehr schnell bemerkt und auch die Entwicklung der Zahlen spricht für sich. In Wolhusen hingegen ging es v.a. um eine Prozessoptimierung zwecks Steigerung der Auslastung aufgrund zu langer Wartezeiten nach erfolgter Zuweisung. Auch hier ist es uns gelungen sämtlichen, involvierten Berufsgruppen die Vorteile der neu definierten Abläufe aufzuzeigen.

Was war das Erfolgsrezept?

Mir ist grundsätzlich sehr wichtig, transparent, offen und ehrlich zu kommunizieren. Sowohl in Sursee wie auch in Wolhusen haben wir uns daher regelmässig interprofessionell ausgetauscht und danach gemeinsam die Prozesse weiterentwickelt. Es läuft ja nie von Anfang an perfekt. Dafür braucht es Verständnis, aber auch den vollen Einsatz aller Beteiligten – und manchmal hilft etwas Geduld.

Eine Kurzversion dieses Textes erschien im luksmagazin, der Zeitschrift für die Zuweiserinnen und Zuweiser der LUKS Gruppe. 

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