Hypertonie-Medikation bei Hirnschlagpatienten

Könnte die Medikation von Bluthochdruck-Patientinnen und -Patienten das Hirnschlag-Risiko beeinflussen? Dieser grundlegenden Frage geht eine Forschergruppe um Prof. Dr. med. Martin Müller, Co-Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurorehabilitation am Luzerner Kantonsspital (LUKS), nach.

1. April 2022

Lesezeit: 2 Minuten
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Prof. Dr. med. Martin Müller, Co-Chefarzt, Leiter stationäre Neurologie

Nach einem Hirnschlag reagiert betroffenes Hirngewebe, das noch überlebensfähige Zellen enthält (ischämische Penumbra), empfindlich auf Veränderungen der zerebralen Durchblutung. Eine wichtige Rolle spielt hierbei auch die zerebrale Autoregulation, die über humorale, neurogene und myogene Mechanismen einen konstanten Blutdruck im Gehirn sicherstellt.

Wirkmechanismen im Gehirn meist ungeklärt

Eine Medikation, die den Blutdruck im Hirn zu stark senkt, kann die Penumbra und damit den Outcome nach einem Hirnschlag negativ beeinflussen. Bisher ist nicht geklärt, welchen Effekt verschiedene Hypertonie-Wirkstoffe via Blutdruck auf die Autoregulation haben und ob sie dadurch den Outcome nach Hirnschlag begünstigen bzw. beinträchtigen könnten.

In einer Literaturanalyse untersuchten Prof. Dr. med. Martin Müller und Forschungskollegen der Universitäten Auckland, Neuseeland, und Leicester, Grossbritannien, den Einfluss unterschiedlicher Wirkstoffgruppen auf den Blutdruck im Gehirn. So ist mittlerweile bekannt, dass Sartane und ACE-Hemmer die Autoregulation dahingehend beeinflussen, dass sie den Beginn der autoregulatorischen Kompensationsprozesse zu niedrigeren Blutdruckwerten verschieben, was sich günstig auf die Penumbra auswirken sollte. Hingegen ist der Einfluss von Calcium-Kanal-Hemmern, Beta-Blockern oder Diuretika auf die adaptiven autoregulatorischen Mechanismen im Gehirn weitgehend ungeklärt.

Internationaler Forschungsverbund

«Wir betreten hier ein relativ neues Forschungsfeld. Auch wenn die Hypertonie-Medikamente schon lange im klinischen Einsatz sind, könnten neue Erkenntnisse zu den Wirkmechanismen im Gehirn künftig eine Modifikation der Hypertonie-Behandlung erfordern, um das Risiko für Hirnschlag bzw. für Schäden nach einem Hirnschlag zu reduzieren,» sagt Martin Müller. «Zum jetzigen Zeitpunkt sollte jedoch keine Anpassung der Medikation von Bluthochdruck-Patientinnen und -Patienten vorgenommen werden, da die Datenlage hierfür nicht ausreicht.»

Studien zu diesem Thema werden in einem internationalen Forschungsverbund durchgeführt. Für die Zielgrösse «dynamische zerebrale Autoregulation» sind praktisch alle führenden Forschungseinrichtungen Mitglied des Verbundes. Die Ergebnisse der Literaturanalyse sind im angesehenen Journal of Cerebral Blood Flow & Metabolism publiziert.

Das Abstract der Studie finden Sie hier

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