Nach dem Oberschenkelhalsbruch zählt nicht nur die Operation

Eine typische Situation: Eine 85-jährige Frau wird nach dem Sturz in die Notaufnahme gebracht. Ihre Gedanken kreisen nicht um Implantate oder Operationsverfahren. Sie fragt sich etwas anderes: Werde ich wieder nach Hause zurückkehren können? Werde ich wieder selbstständig einkaufen, die Treppe in meiner Wohnung steigen oder meinen Garten pflegen können?
Für ältere Menschen bedeutet ein Hüftbruch mehr als eine Verletzung. Er markiert einen tiefen Einschnitt. Plötzlich stehen Selbstständigkeit, Mobilität und Lebensqualität auf dem Spiel.
«Wir diskutieren oft über Implantate, Zementaugmentation oder Operationsverfahren. Gleichzeitig liegt eine Patientin möglicherweise seit vielen Stunden mit Schmerzen auf der Station, hat kaum getrunken und wird immer schwächer. Das können wir beeinflussen», sagt Prof. Dr. med. Björn-Christian Link, Chefarzt und Klinikleiter Orthopädie und Unfallchirurgie und Leiter des Altersunfallzentrums am Luzerner Kantonsspital.
Ein interdisziplinäres Team um Björn-Christian Link veröffentlichte einen wissenschaftlichen Übersichtsartikel. Im Fokus stehen Faktoren, die im Alltag oft weniger sichtbar sind als die Operation selbst: ausreichende Flüssigkeitszufuhr, eine frühzeitige Schmerzbehandlung und die Vermeidung eines Delirs, also einer vorübergehenden Verwirrtheit nach einer Erkrankung oder Operation.
Die entscheidenden Stunden vor der Operation
Zwischen Notfallaufnahme und Eingriff liegen oft viele Stunden. Gerade bei älteren Menschen ist diese Phase besonders sensibel. Schmerzen, Flüssigkeitsmangel, Schlafentzug und langes Liegen können die Belastung zusätzlich erhöhen und die Erholung erschweren.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen unter anderem, dass eine gute Schmerzkontrolle den Bedarf an starken Schmerzmitteln reduzieren kann. Auch eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung und standardisierte Behandlungspfade helfen, Belastungen für ältere Menschen zu verringern. Wichtig ist zudem die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Beteiligten, insbesondere auch des Notfallzentrums und der Anästhesie.
Wenn gute Medizin Teamarbeit ist
Wie wichtig das Zusammenspiel dieser verschiedenen Faktoren ist, zeigt sich auch an den Behandlungsergebnissen im LUKS. Die Qualität von Hüftoperationen wird in der Schweiz unter anderem über das nationale Implantatregister SIRIS erfasst. Die veröffentlichten Daten zeigen fürs LUKS gute Resultate. Für Pascal C. Haefeli, Leitender Arzt Becken- und Hüftchirurgie, sind solche Ergebnisse eng mit standardisierten Abläufen und einer engen Zusammenarbeit der verschiedenen in die Behandlung involvierten Berufsgruppen verbunden.
«Gute Ergebnisse entstehen nicht nur durch eine gelungene Operation. Sie entstehen dann, wenn viele Berufsgruppen entlang des ganzen Behandlungspfades zusammenarbeiten», sagt Pascal C. Haefeli. Gerade bei älteren Menschen beginnt gute Medizin deshalb nicht erst im Operationssaal, sondern bereits in den Stunden davor.
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