Warum langes Liegen schadet: Bewegung als Teil der Behandlung

Unter dem Motto «Aktiv im Spital» engagiert sich die Physiotherapie am Standort Luzern in einer eigenen interdisziplinären Kampagne, die Bewegungsangebote, Beratung und alltagsnahe Motivation für Patientinnen und Patienten vereint. Die Initiative verfolgt das gleiche Ziel wie der Nationale Aktionstag. Nach der Einführungsphase soll sie bald auf die anderen LUKS Standorte ausgeweitet werden.
Im Rahmen des Aktionstags erklärt Prof. Dr. med. Tobias Breidthardt, Chefarzt der Inneren Medizin am LUKS Luzern, im nachstehenden Interview wieso Bewegung ein zentraler Baustein jeder Behandlung ist.
Warum ist Bewegung für stationäre Patientinnen und Patienten so wichtig?
Tobias Breidthardt: Bewegung ist tatsächlich eine Medizin. Zahlreiche Studien zeigen, dass körperliche Aktivität für alle Menschen wirksam ist: Wer täglich 7000 bis 8000 Schritte geht, senkt sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine vorzeitige Sterblichkeit deutlich. Auch unsere Patientinnen und Patienten profitieren davon. Eine Studie konnte vergangenes Jahr sogar nachweisen, dass ein strukturierter Trainingsplan zusätzlich zur Standardtherapie bei Darmkrebserkrankten das Rückfallrisiko reduziert und das Überleben verlängert.
Selbst akut erkrankte, häufig ältere Menschen im Spital gewinnen viel durch Bewegung. Heute wissen wir, dass schon wenige Tage Bettruhe negative Folgen haben können: Die Muskelkraft nimmt ab, das Herz-Kreislauf-System wird weniger belastbar, die Lungenfunktion verschlechtert sich und das Risiko für Thrombosen oder Delirien steigt.
Wer jedoch möglichst früh wieder aktiv wird, unterstützt die Genesung entscheidend und erhält die Selbstständigkeit nach dem Spitalaufenthalt. Oft reichen bereits kleine Schritte: kurz aufstehen, statt im Bett am Tisch essen, regelmässig ein paar Meter gehen oder einfache Mobilisationsübungen durchführen – all das wirkt stärker, als man denkt.
Was beobachten Sie im klinischen Alltag?
Tobias Breidthardt: Viele Menschen verbinden einen Spitalaufenthalt automatisch mit Ruhe. Natürlich braucht der Körper Erholung – aber eben nicht im Sinne von vollständiger Immobilität. Wir sehen immer wieder, dass Patientinnen und Patienten, die früh mobilisiert werden, schneller Kraft aufbauen, seltener Komplikationen haben und oft früher nach Hause können.
Bewegung stärkt nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern hat auch einen positiven Einfluss auf die Psyche. Sie gibt das Gefühl, aktiv etwas beitragen zu können.
Was bedeutet das für die Behandlung auf der Inneren Medizin?
Tobias Breidthardt: Für uns gehört die Förderung der Mobilität heute zur Standardtherapie. Die Motivation zur Bewegung und das Loben der ersten Schritte ist wichtiger Teil der täglichen Stationsvisite. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit Physiotherapie, Pflege und anderen Fachbereichen zusammen. Mobilitätsziele werden direkt bei Eintritt individuell festgelegt. Wichtig ist aber auch, dass die Patientinnen und Patienten lernen, wie sie sich selbst aktivieren können. Das ist ein zentraler Teil unserer Aufgabe.
Das LUKS hat mit «Aktiv im Spital» eine eigene Kampagne lanciert. Was steckt dahinter?
Tobias Breidthardt: Es geht darum, Barrieren abzubauen und konkrete Unterstützung zu bieten: Welche Bewegungen sind sinnvoll? Was kann ich trotz Krankheit tun? Die Kampagne bietet Aufklärung und motivierende Informationen, einfache Übungen im Videoformat und alltagsnahe Tipps.
Das Ziel ist es, Bewegung selbstverständlich zu machen. Egal ob jemand wegen einer Infektion, einer Herzschwäche oder einer chronischen Erkrankung bei uns ist: Aktivität ist immer ein wichtiger Teil der Therapie und der Prävention.
Was wünschen Sie sich am Aktionstag?
Tobias Breidthardt: Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam ein Bewusstsein dafür schaffen, dass ein Spital kein Ort zum Liegen ist – sondern ein Ort des Gesundwerdens. Und Gesundwerden braucht Bewegung.
Wenn Patientinnen und Patienten den Schritt aus dem Bett machen, ist das oft der erste Schritt zurück in den Alltag. Und genau dabei möchten wir sie unterstützen.
Mit "Aktiv im Spital" setzen wir auf Bewegung, die wirkt.

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